Veranstaltungsinfo

Mi, 19.09.2018
20.00 Uhr
Klassik
Eintritt frei*
* Wir führen eine Warteliste

Gedenkkonzert: Anlässlich des 75. Geburtstags von Rainer A. Köhler

LENA NEUDAUER Violine, WEN XIAO ZHENG Viola, JULIAN STECKEL Violoncello, MATTHIAS KIRSCHNEREIT Klavier
LENA „NEUDAUERS Zugriff ist grundsätzlich von einer tief beseelten Atmosphäre durchdrungen (…) nicht nur Melos und Lyrik, sondern auch unbeschwerte Heiterkeit blühen dadurch umso mehr“ (Süddeutsche Zeitung). Auf der Bühne fasziniert ihre Natürlichkeit und die Selbst-verständlichkeit, mit der sie ihre Geige spielt, als ob diese ein Teil ihres Körpers wäre.

WEN XIAO ZHENG ist Preisträger vieler internationaler Wettbewerbe. 2008 errang er den zweiten Preis und den Publikumspreis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD (ein erster Preis wurde nicht vergeben). Nach vierjähriger Tätigkeit als Solobratscher bei den Bamberger Symphonikern wechselte Wen Xiao Zheng 2014 in gleicher Position zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Bereits zuvor Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe, gewann JULIAN STECKEL 2010 den ersten Preis und zahlreiche Sonderpreise beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD. Seitdem konzertiert er mit bedeutenden Orchestern wie den drei Münchner Spitzenorchestern, dem Gewandhausorchester Leipzig, einer Vielzahl der deutschen und europäischen Radiosinfonieorchester, dem Royal Philharmonic Orchestra London, dem Orchestre de Paris, dem Helsinki Philharmonic Orchestra, den Sankt-Petersburger Philharmonikern und vielen anderen.

MATTHIAS KIRSCHNEREIT zählt heute zu den spannendsten und erfolgreichsten deutschen Pianisten seiner Generation. Der ECHO Klassik-Preisträger gibt jährlich etwa 60 Konzerte und wird von der Süddeutschen Zeitung als „Poet am Klavier“ gefeiert. Dabei folgt er seinem künstlerischen Ideal, den musikalischen Empfindungsreichtum, den erzählerischen Ausdruck und damit überhaupt die menschlichen Züge in der Musik aufzuspüren und zu vermitteln.

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer

Programm
MENDELSSOHN Klavierquartett Nr. 2 f-Moll
MENDELSSOHN Variations Serieuses
SCHUBERT Streichtriosatz B-Dur D 471
SCHUMANN Klavierquartett op. 47

Würdigung
DR. EKKEHARD KNOBLOCH
 

GEDENKREDE FÜR RAINER KÖHLER VON DR. EKKEHARD KNOBLOCH

Dieses Konzert ist RK, dem mutigen, ja waghalsigen und begeisternden Gründer und künstlerischen Leiter des Klassikforums, gewidmet. Der Termin ist von den Managern des bosco mit Bedacht gewählt worden, wäre doch RK am 17.9., also vor zwei Tagen, 75 Jahre alt geworden. Daher bin ich als langjähriger Freund gebeten worden, Gedenkworte zu sprechen. Ein feierlicher Nachruf, liebe Klassikfreunde, wäre aber so gar nicht im Sinne von Rainer. Denn Rainer liebte das Leben, kostete es stets neugierig aus und brachte sich auch selbst ideenreich, überschwänglich, optimistisch und ansteckend ein. So war ihm ein reiches, buntes Leben geschenkt.
Doch noch mehr freute er sich darüber, andere an dieser seiner geradezu überschäumenden Lebensfreude teilhaben zu lassen. Deshalb möchte ich ihn angesichts begrenzter Zeit schlaglichtartig in vier Bildern – das Malen war ja die Leidenschaft seiner letzten Monate – charakterisieren.

Bild 1: Der engagierte Demokrat
Angesteckt von seinem Vater Karl Köhler, dem Mitbegründer der CSU in Bayern, rief Rainer Anfang der 60er Jahre die örtliche JU ins Leben. Hochkarätig ging es schon bei der Gründung 1963 mit dem Landtagspräsidenten R. Hanauer als „Geburtshelfer“ zu; später holte Rainer noch die Staatsminister Hundhammer und Junker sowie sogar Min.präs. Goppel nach Gauting. Zwei seiner damaligen politischen Forderungen, eine davon leicht abgewandelt, haben an Aktualität nichts
eingebüßt. Angesichts des seinerzeitigen Badeverbots in der Würm plädierte er für den Bau, heute Erhalt des Freischwimmbeckens und für die Erhöhung des Kulturetats der Gemeinde. Von all dem hatte ich zwar gehört, aber wir hatten keinerlei Kontakt, wuchsen wir doch in ganz unterschiedlichen Milieus auf, denn es gab nicht nur die Kluft zwischen Kolonie und Dorf, sondern auch die zwischen den Konfessionen. So kam es, dass wir uns erst 1972 näher persönlich kennenlernten, als wir beide in den Gemeinderat gewählt wurden. Als Architekt mit Prädikatsexamen widmete sich Rainer vornehmlich der Ortsplanung mit dem Ziel des Erhalts von Gauting als Wohnort im Grünen, meldete zum Entsetzen des Ortsverbandes Skepsis zu Umgehungsstraßenplänen im Grubmühler Feld bis hin zu ihrer Ablehnung an und engagierte sich sachkundig im Bauausschuss. Er bestärkte uns, größere Vorhaben nicht allein nach den Plänen, sondern anhand von Modellen und nach ihrer Einbindung in die Umgebung zu beurteilen. Maßstab sprengende Bauten lehnte er ab, das Einfügen in das Ortsbild war für ihn entscheidend. Dabei hat er sich auch selbst in die Pflicht genommen, wie der wohltuende Sparkassenneubau beweist. Arbeitsbedingt ist RK 1984 aus dem Gemeinderat ausgeschieden – ein großer Verlust für die Gemeinde, denn ein unabhängiger Fachmann fehlte fortan. Dennoch blieb Rainer der Kommunalpolitik ebenso wie der großen Politik – er war ein überzeugter Europäer – lebenslang verbunden. Auch ihn trieb die Flüchtlingsproblematik schwer um. Wir klammerten sie bei unseren Gesprächen längere Zeit aus, weil wir hier ganz gegensätzlicher Ansicht waren. Umso
bemerkenswerter sein Meinungsumschwung, sprach er mich doch eines Tages von sich aus darauf an und erklärte, dass er nach langem Überlegen zu der Überzeugung gelangt sei, dass die Flüchtlingspolitik mitmenschlicher gestaltet werden müsse. Aus unserer gemeinsamen Arbeit im Gemeinderat ist uns ein ganz seltenes Geschenk erwachsen: Unsere respektvolle Freundschaft. Durch 45 Jahre begleiteten wir einander, nicht immer einer Meinung, doch stets freundschaftlich mit gleicher Neugier auf Architektur und Musik.

Bild 2: Der Architekt
Rainer wäre sicherlich wie seinem Vater auch eine politische Karriere offengestanden. Wie dieser zog er das aber ebenso wenig in Betracht wie eine Anstellung in der staatlichen Bauverwaltung trotz seines Prädikatsexamens. Für ihn kam nur die freiberufliche schöpferische Tätigkeit als selbstständiger Architekt mit einer gewichtigen Einschränkung in Frage: Kein geruhsames Dasein als Wald-und Wiesenarchitekt, als Häuslebauer. Das wäre für ihn viel zu banal, zu eintönig und langweilig gewesen, eine Unterforderung, die bei seiner Begabung einer Berufsverfehlung gleichgekommen wäre. Das hätte für ihn, selbstbewusst wie er war, bedeutet, Perlen vor die Säue zu werfen. Daher war es von Anbeginn seiner
selbstständigen freiberuflichen Tätigkeit sein Ziel, sich mit den innovativsten Köpfen seiner Zunft vornehmlich auf dem Gebiet des Schulbaus in harten und aufreibenden Wettbewerben zu messen. Das war ambitioniert, aufregend, ein steter Nervenkitzel: Da galt es, Misserfolge zu verkraften oder dann auch umso freudiger Erste Preise zu feiern. Obgleich Rainers Berufsweg als Vollblutarchitekt von Anfang an außerordentlich erfolgreich war und er so ein überaus beachtliches Lebenswerk geschaffen hat, nämlich vom Küchentisch als Zeichenbrett in einer Mietwohnung bis zum eigenen Büro mit über 50 Mitarbeitern. Darauf kann ich hier leider nicht näher eingehen. Nur noch eine letzte Bemerkung dazu: Unvergessen die von ihm organisierten trefflichen Architekturreisen nach Barcelona, Bilbao, Kopenhagen, Finnland, durch die Rocky Mountains nach Vancouver, Seattle und Los Angeles sowie ins Berliner Botschaftsviertel. Dabei führte er uns in seiner mitreißenden Art an die verschiedensten modernen Bauten heran, ermöglichte Besuche in namhaften Architekturbüros, schärfte unseren Blick für mehr oder weniger gelungene bauliche Besonderheiten, so dass seither sogar ausgefallenere Namen zeitgenössischer Stararchitekten wie Calatrava, Rem Koolhaas oder Coop Himmelblau für uns einen vertrauten Klang haben.

Bild 3: Der Musikliebhaber und Impresario
Hatte uns Rainer bei unseren Ausflügen in die Welt insbesondere der modernen Architektur das Sehen gelehrt, so kam mit dem Konzert des Kammerensembles der Berliner Philharmoniker in der Frauenkirche mit Schuberts Oktett 2001 noch das
Hören dazu. Wir waren von diesem Konzert derart begeistert, dass wir tags drauf nach Landsberg fuhren, um es in der dortigen von ihm neu gebauten Berufsschule nochmals zu genießen. Ungeachtet unserer hellen Begeisterung erschien uns Rainers kühnes Projekt, in Gauting eine hochkarätige Kammerkonzertreihe ins Leben zu rufen, völlig unrealistisch. Zeigten nicht die schlecht besuchten, aber herrlichen Konzerte des Musikvereins, dass die Gautinger nicht vor Ort, sondern in München ins Konzert gehen? Kämpfte die Klassik nicht allenthalben, selbst in der Landeshauptstadt um Publikum, und da erst recht die Gattung der Kammerkonzerte? Wer käme für die finanziellen Verluste auf? Überschätzte hier Rainer nicht die Zugkraft der Konzerte und auch das Publikumspotential? War das Ganze nicht eine zwar tolle, aber letztlich verrückte Idee, bar jeden Realitätsbezugs? Wie sollte ein einzelner die immense Arbeit, angefangen bei der Auswahl der Künstler und ihrer Verpflichtung sowie ihrer Betreuung mit Unterkunft, Verpflegung, Probenraum, der technischen und finanziellen Abwicklung der Konzerte, bei Zuschussanträgen, bei der Sponsorensuche, bei der Werbung bis hin zur Pressearbeit, wie sollte das alles – Unvorhergesehenes schlichtweg ausgeklammert - ein einzelner bewältigen? Aber derartige Vorbehalte und Warnungen prallten an ihm ab. Fast beschämt erlebten wir, wie Rainer Schritt für Schritt mit langem Atem und unermüdlichem Einsatz seinen Traum, die Kammerkonzertreihe in Gauting mit Künstlern der Weltklasse dauerhaft zu etablieren, verwirklichte. Sein Pioniergeist, seine Tatkraft, seine Ausdauer und seine Großzügigkeit – erinnert sei nur an das Geschenk des Konzertflügels – haben uns Zuhörern unvergessliche Musikerlebnisse geschenkt. Auf die hohe musikalische Qualität dieser Konzerte in Verbindung mit der ausgezeichneten Akustik in unserer Frauenkirche wurde auch der Bayerische Rundfunk aufmerksam, schnitt daher einige mit und strahlte sie zur Freude und Genugtuung von Rainer im Klassikprogramm aus. Rainer war stolz, dass dadurch sein Heimatort Gauting mit einem Mal in der Klassikmusikwelt sogar überregional bekannt wurde. So wie für Rainer Architektur wahrhaftig in Konstruktion, Form, Zweckbestimmung und Nutzerfreundlichkeit, also stimmig, sein musste, so kam es ihm bei der Musik nicht allein auf das Klangerlebnis an. Er wollte mehr, nämlich durch die Musik gerade in der besonderen Atmosphäre der Frauenkirche uns Zuhörer aus der turbulenten Welt in einen Kosmos voll göttlicher Harmonie versetzen. Daher war es für Rainer ein schwerer Schlag, als ihm im Jahre 2004 der neue Pfarrer eröffnete, dass die Kirche kein Konzertsaal sei und ihre weitere Nutzung untersagte. Aufgeben und damit das Erreichte preiszugeben, war für Rainer ebenso wenig eine Option wie nach einem Saal im Umland zu suchen. In dieser prekären Situation bot sich eigentlich nur das bosco trotz all seiner akustischen Probleme sozusagen als „Notnagel“ an. So kam es schweren Herzens zum Umzug. Mit Hans-Georg Krause ging Rainer umgehend daran, mit baulichen Veränderungen die Akustik entscheidend zu verbessern. Das führte dann sogar dazu, dass auch der BR wieder Konzerte mitschnitt. Zudem wusste Rainer schon bald die Vorzüge, im bosco eingebettet zu sein, sehr zu schätzen: Das anheimelnde Ambiente und die perfekte Organisation nahmen ihm nun vieles ab. Dazu die mehr und mehr zusammenwachsende freundschaftliche Beziehung zu Hans-Georg Krause. Hier fanden sich zwei Kulturbesessene, die das Ziel einte, Kultur in Gauting zum Leuchten zu bringen.

Bild 4: Der Kämpfer – der Lebenskünstler
Anfang 2015 wurde bei Rainer eine schwere Erkrankung mit niederschmetternden Heilungsaussichten diagnostiziert. Doch für Rainer galt, diese Erfahrung hatte er schon oft gemacht, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Daher gab es für ihn überhaupt keine wirkliche Alternative zum Überlebenskampf, das hieß also, mit allen medizinischen Mitteln wie diversen OPs und allen nur möglichen Therapien gegen die Krankheit anzugehen. Unterstützt, ja getragen, wurde er dabei von seinen Angehörigen, von seinen Geschwistern und vor allem seiner Frau Gertrud sowie von Freunden, stellvertretend seien Hans-Georg Krause, Christian Merk und Reinhard Palmer genannt. Selbst in dieser wahrlich schweren und belasteten Zeit hat er Beispielhaftes vorgelebt. Sowie es sein Gesundheitszustand zuließ, hat er mit eiserner Selbstdisziplin in seinem Architekturbüro mitgewirkt und sich wie eh und je beratend bei Wettbewerben eingebracht. Zudem hat er die Konzertprogramme 2017, 2018 und sogar schon für 2019 erstellt und dabei Amelie Krause als seine Nachfolgerin – damit wurde der „Kirchenrauswurf“ doch noch zum Segen - eingearbeitet. Rainer konnte diesen Kampf nicht gewinnen, und je länger er dauerte, desto mehr wurde er sich dessen bewusst. Gerade darin liegt aber nun seine Größe, dass er angesichts des Todes nicht etwa allein um sich gekreist ist, sondern ganz im Gegenteil über die eigene Lebenszeit hinaus für sein Büro und für seine Klassikgemeinde weichenstellend tätig war. Das ist wahrlich große Lebenskunst! Gefreut hat ihn am Schluss die späte gemeindliche Ehrung, an der er schon nicht mehr persönlich teilnehmen konnte, mit der Verleihung des Günther-Klinge-Preises für 225 außergewöhnliche Konzerte seit 1999.

Wir, seine Fans, danken ihm mit Blick auf sein erfülltes Leben, sein mitreißendes Wesen und in der Erinnerung an viele gemeinsame glückliche, wunderschöne und unvergessliche Stunden von ganzem Herzen.



Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2018

Nach(t)kritik 
Er freute sich, wenn man sich für seine Werke begeisterte, wurde dennoch verlegen, wenn man darüber sprach. Die Worte der Würdigung durch Altbürgermeister Dr. Ekkehard Knobloch hätten ihm daher gefallen: schnörkellos, frei von Pathos und sehr persönlich. Zumal der Anlass ja kein Todestag, sondern der 75. Geburtstag war, den Rainer A. Köhler am 17. September gefeiert hätte. Irgendwie ist er im bosco immer noch präsent, denn alles läuft weiter so, als wäre nichts passiert. Als könnte er wie gewohnt seinen Platz in der neunten Reihe einnehmen und seine Kamera starten, mit der er so viele Konzerte für seinen privaten Gebrauch aufgezeichnet hat.
Er hinterließ viel Gutes, als einst engagierter Gemeinderat, als herausragender Architekt, als umtriebiger Kulturverfechter, als bosco-Mitgestalter und vor allem als Initiator und langjähriger Leiter des Klassikforums. Rainer A. Köhler mit einem Konzert zu würdigen, war denn auch sicher die schönste und treffendste Form der Erinnerung, zumal es auch ein Konzert so ganz nach seinem Zuschnitt war – voll feinsinniger Leidenschaft. Dass die Musiker kurzerhand die Reihenfolge der ersten beiden Werke tauschten, machte den Akt perfekt. Denn auch die 17 Variations sérieuses d-Moll von Felix Mendelssohn sind schnörkellos, aufrichtig und ohne große Gesten, worauf Matthias Kirschnereit am Flügel besonderen Wert legte.
Gewiss, die Variationen sind teils virtuos und hätten auch brillant sein können, wenn der Pianist die Zügel losgelassen hätte. Aber genau darum ging es Mendelssohn: Keine oberflächlichen Effekte, sondern aufgewühlte Seelentiefen, stets nah am verschatteten, doch inneren Frieden stiftenden Thema. Schließlich war das Werk auch für einen Sammelband gedacht, von dessen Erlös ein Beethoven-Denkmal hätte errichtet werden sollen. Zu der genannten Charakteristik trug auch die Transparenz in Kirschnereits Spiel bei, die immer wieder aus dem dichten Duktus klare Themen und Motive emporsteigen ließ.
Nüchtern wirkte das Werk jedoch keineswegs, hatte gar etwas Mysteriöses an sich, was im Streichtriosatz B-Dur D 471 von Schubert dann noch deutlicher zu spüren sein sollte. Auch Lena Neudauer (Violine), Wen Xiao Zhang (Viola) und Julian Steckel (Violoncello) pflegten die Klarheit, trafen ebenso auf Anhieb die adäquate Atmosphäre in dem deutlich Mozart und Haydn verpflichteten Werk. Auch wenn die Musiker des Abends kein festes Ensemble bilden, war gerade dieses homogene Zusammenspiel und die überaus ansprechende Klangformung im engen Ensembleverbund die Stärke dieser Konstellation. Obgleich die Verbindung aus Streichern und Klavier nicht gerade per se eine homogene ist.
Gerade bei Mendelssohn, der als Pianist hochvirtuose Klavierparts kreierte, ist das Zusammenspiel stets eine große Herausforderung, dem die Streicher des Abends mit einem dichten und sorgfältig austarierten Trio-Satz sowie der Pianist mit asketischem und weit zurückgenommenem Klavierpart begegneten. Mendelssohn tat gut daran, sich gerade in dieser Hinsicht an Beethoven zu orientieren. Und wenn man bedenkt, dass dieses op.2 des erst knapp 14jährigen Komponisten ebenso erst das zweite veröffentlichte Werk war, so fand das interpretierende Quartett darin doch überraschend viele Finessen in spieltechnischer wie klanglicher Hinsicht.
Das reife Werk des 32jährigen Schumann hatte allerdings weit mehr zu bieten, zumal mit blühender Romantik florierend. Hier wurde der Unterschied deutlich: Nach Klassiknähe von Mendelssohn durfte nun Schuman schwungvoller, fulminanter, satter und in den langsamen Sätzen und Passagen schwärmerischer, von Emotionen durchdrungen erklingen. Hier durften die Musiker schon mal aufbrausen, auch wenn sie die Grenze der kultivierten Zurückhaltung nie überschritten. Grandios das emotional entwaffnende Andante cantabile von berührender Empfindsamkeit im sanft fließenden Duktus, bevor das spritzig wirbelnde Vivace-Finale zum lang anhaltenden Applaus hinriss. Das Larghetto aus dem Es-Dur-Klavierquartett KV 493 von Mozart schlug eine weitere Seelenmassage drauf.