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Veranstaltungsinfo

Fr, 02.02.2024
20.00 Uhr
Ausstellung | Film

8,00

keine Ermäßigung

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Kurzfilmabend zum Themenschwerpunkt: "Mensch - Architektur - Natur" mit der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg

Zu unserem Themenschwerpunkt "Lebensraum im Anthropozän" präsentiert die Internationale Kurzfilmwoche Regensburg dieses Mal ein Programm unter dem Titel "Mensch - Architektur - Natur".

Die Internationale Kurzfilmwoche Regensburg ist wieder zu Gast in Gauting.

Die sieben ausgewählten Kurzfilme zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie die menschliche Aktivität die Natur beeinflusst und wie Architektur in diesem Kontext eine entscheidende Rolle spielt. Film und Architektur stehen sich insofern nahe, als dass beide unentwegt mit den Mitteln der Kunst und der Ästhetik Räume kreieren. Und immer wieder steht dabei die Frage nach der Rolle des Menschen im Raum: Belebt er oder zerstört er? Nutzt er oder nutzt er aus? Handelt er aus freien Stücken oder ist er doch nur ein Spielstein in einem ihn überwältigenden System? Tauchen Sie ein in eine Welt voller Kontraste und faszinierender Einblicke in unsere Beziehung zur Umwelt und ihrer Gestaltung.

Nettospielzeit: 81 Minuten

URBAN SPHINX, María Lorenzo, Spanien, 2020, 5 Min, ohne Dialog
Ein experimenteller, animierter Dokumentationsfilm, der die Präsenz der Straßenkunst in Valencia (Spanien) zwischen 2018 und 2019 kreativ dokumentiert. Die Bilder der Kunstwerke werden wie die Frames eines Films miteinander verbunden. All diese Gesichter schauen uns mit weit aufgerissenen Augen an, als würden sie uns sagen, dass wir existieren, aber vielleicht auch nicht - und die Welt würde sich weiter drehen.

AM ACKER 12, Oliver Gilch, Deutschland 2021, 8 Min, OV
Auf der grünen Wiese soll eine schicke Reihenhaussiedlung entstehen. Die Architektin telefoniert vor Ort mit dem Auftraggeber.

LE PLATEAU, Inès Elichondoborde, Frankreich, 2021, 13 Min, OV mit engl. UT
M. A., ein eifriger Immobilienmakler, lebt allein und verlassen in den Überresten des Plateau, einer Stadt, die auf einem kambodschanischen Berg gebaut wurde. Um der Einsamkeit zu entgehen, stellt er sich das tägliche Leben dieses Immobilienprojekts vor, dessen Bau nie abgeschlossen wurde.

IN BETWEEN, Samir Karahoda, Kosovo, 2019, Farbe 14 Min, OV mit engl. UT
Ein einfühlsames Porträt der Familien, die aus wirtschaftlicher Notwendigkeit einen Großteil ihres Lebens getrennt und in Kulturen leben müssen, die nicht ihre eigenen sind.

PASANDO TRUEL, Manuel Omonte, Spanien, 2022, Farbe 23 Min, OV mit dt. UT
Ein Schafhirte, der sein Dorf verlassen will, und ein junger Fotograf, der die Spuren der Vergangenheit aufspüren will, fahren gemeinsam in einem alten Lieferwagen durch Ecken einer vergessenen Provinz.

SIRENS, Ilaria di Carlo, Deutschland 2022, Farbe, 13 Min, ohne Dialog
Monolithische Kraftwerke, wogende Rauchsäulen, im Hintergrund eine rote Sonne. Sirenen fangen die deutschen Kohlekraftwerke in ihren letzten Jahren der Energieerzeugung ein. Eine Odyssee durch die dystopische Industriewelt, die bleibende Spuren in der Ökosphäre der Erde hinterlassen hat.

BENZTOWN, Gottfried Mentor, Deutschland 2021, 5 Min, ohne Dialog
Eine Stadt dreht durch. Stuttgart wehrt sich mit heftigen Aktionen gegen das Verkehrschaos. Mit weitreichenden Folgen. Andere Städte könnten nachziehen.

Moderation
Gabriel Fieger, Leitung Internationale Kurzfilmwoche Regensburg

 

Zum Themenschwerpunkt "Lebensraum im Anthropozän"
Der Themenschwerpunkt "Lebensraum im Anthropozän" geht der Frage nach, wie das Zeitalter des Menschen die Natur unseres Planeten verändert hat. Welches architektonische Bild lässt sich über diesen Zeitraum der Erdgeschichte zeichnen und wie finden wir Menschen uns in dieser Architektur wieder?

Ausstellungseröffnung & Vortrag Di 23.01.2024 | 19:00 | Eintritt frei, Voranmeldung erwünscht
Kurzfilmabend Fr 02.02.2024 | 20:00 | Eintritt € 8,00
Ausstellungsführung So 03.03.2024 | 14:00 | Eintritt frei, Voranmeldung erwünscht
Dauer der Ausstellung Bis Fr 22.03.2024 zu den Öffnungszeiten des bosco und während der Abendveranstaltungen

Der Besuch unserer Ausstellungen während der Öffnungszeiten des bosco ist frei.

Nach(t)kritik
Albtraum oder Utopie
Nach(t)kritik von Paul Schäufele

Ja freilich sind auch vierzehn Einheiten möglich. Oder sogar mehr, warum denn nicht? Es fügt sich schließlich gut in die Landschaft, sagt die Architektin in Oliver Gilchs „Am Acker“. Immer wieder zeigen Schnitte in die Supertotale die leere Landschaft, die von der rührigen Frau baulich erschlossen werden soll. Der Film führt ins Thema ein: Es ist den Handelnden durchaus klar, dass das menschliche Tun Auswirkungen auf die Landschaft hat, und sich eigentlich in sie einfügen soll, das Ergebnis wird allerdings wohl eher den Boden versiegeln zugunsten eines sterilen Wohnkomplexes. So traurig es klingt, der Film übersetzt dies in einen hochnotkomischen Monolog der Architektin, was zu spontanen Lachanfällen im Publikum und Applaus führt – und präsentiert damit eine Möglichkeit, die Frage anzugehen, wie Bebauung das Wesen der Erde prägt, im Großen wie im Kleinen. Es ist eine von sieben Möglichkeiten, die das Bosco in Kooperation mit der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg präsentiert.

Der relativ junge Begriff „Anthropozän“, der eine neue geologische Ära bezeichnet, in der die Erde in ihrer Substanz vom Menschen verändert wird, zwingt dazu, eine bequeme Gegenüberstellung aufzugeben: Mensch und Natur sind nicht mehr getrennt zu denken, sondern in einer dynamischen Beziehung. Man ist sich gegenseitig ausgeliefert. Der Architektur kommt in dieser Beziehung eine besondere Rolle zu. Sie steht in der Natur – die sie ausnutzt – muss sich aber zur selben Zeit vor dieser Natur schützen, zu sehen in den beeindruckenden Bildern von „Le Plateau“ der französischen Regisseurin Inès Elichondoborde, auf halbem Weg zwischen Dokumentation und Fiktion. Ein gestorbenes Bauprojekt im kambodschanischen Dschungel wird von einem einsamen Immobilienagenten bewacht, der sich vorstellt, wie er vielleicht doch einmal Kunden durch die halbfertigen Villen führen darf. Diese werden inzwischen von Moos überwuchert, der Beton erodiert, weil die Rodung des Waldes zu gesteigerten Regenfällen führt.

Der Erzähler hat sich die Ruinen zum Heim gemacht, weil ihm nichts anderes übrig blieb. Ähnliches verhandelt der Kurzdokumentarfilm „In Between“ von Samir Karahoda. Er erzählt in bestechend einfacher Filmsprache von den Vätern im ländlichen Kosovo, die ihren Söhnen identische Häuser bauen, damit diese eine Bleibe haben, sollten sie jemals in die Heimat zurückkehren. Denn die Söhne arbeiten aus wirtschaftlicher Notwendigkeit in Deutschland, in der Schweiz, überall, nur nicht da, wo ihnen ein Haus gebaut wurde. Anders als diese hat der alt gewordene Schafhirte Jesús in Manuel Omontes „Pasando Teruel“ sein Dorf nie verlassen. Seine spanische Heimatregion gehört zu den am dünnsten besiedelten Gebieten der Welt, weshalb ein chilenischer Fotograf sich dafür interessiert. Er trifft Jesús, woraufhin sich ein Road Movie en miniature entspinnt, eine Reise durch die Vergangenheit Spaniens und durch die Gegenwart einer vergessenen Region. In zwanzig Minuten gelingt es Omonte, beträchtliches Mitgefühl für seinen Protagonisten zu erzeugen, gerade weil er sich nicht beklagt, im Niemandsland aufgewachsen zu sein. Wenn er aber am Ende den Weg zum Flughafen findet, ist ein Gefühl des anteilnehmenden Glücks nicht zu unterdrücken.

Auch experimentellere Filme sind im Programm. „Urban Sphinx“ von María Lorenzo und „Sirens“ von Ilaria di Carlo könnten unterschiedlicher aber nicht sein. Wo Lorenzo die urbane Kunst Valencias – Graffiti von Comic-Motiven, Frauen mit aufgerissenem Mund, treuen Hunden und immer wieder Augen – in einer kunstvollen Collage zeigt, fängt Di Carlo die Effekte der Industrialisierung in Bilder von brachialer Poesie ein. Gigantische Schaufelräder, die sich durch den Boden fressen; rote Rauchschwaden, die die Sonne verdunkeln; unwirklich erscheinende Kühltürme.

Einen „Rausschmeißer“ hatten Gabriel Fieger und Amrei Keul von der Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg bereits angekündigt. Es war nicht zu viel versprochen. Gerhard Mentors „Benztown“ zeigt in surrealen Bildern, wie sich die Stadt gegen das menschengemachte Auto-Chaos wehrt. Stuttgarts Häuser erwachen zum Leben und würfeln Fahrzeuge durcheinander, ein Tunnel mampft einen PKW, rote Ampeln fegen Autos von der Straße. Dass man nach diesem Abend nicht weiß, ob es sich dabei um einen Albtraum handelt oder eine Utopie, ist als Erfolg zu werten: Sieben anregende Kurzfilme, in durchdachter Dramaturgie präsentiert.