Veranstaltungsinfo

Mi, 18.09.2019
20.00 Uhr
Klassik
29,00 / 15,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre

Signum Quartett & Daniel Ottensamer, Klarinette: Mozart und Widmann

Das Signum Quartett hat sich als eines der interessantesten Ensembles seiner Generation etabliert. Klarinettist Daniel Ottensamer ist Solist und Kammermusiker und konzertiert als Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker mit namhaften Orchestern und bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten in den wichtigsten Musikzentren der Welt.
Das Signum Quartett hat durch seine mitreißend lebendigen Interpretationen ein Zeichen [lat. signum] in der internationalen Quartettszene gesetzt und sich als eines der interessantesten Ensembles seiner Generation etabliert.  Intensive Studien mit dem Alban Berg Quartett, dem Artemis Quartett und dem Melos Quartett, sowie die Zusammenarbeit mit György Kurtág, Walter Levin, Alfred Brendel, Leon Fleisher und Jörg Widmann prägten die künstlerische Entwicklung des Signum Quartetts, das zahlreiche Preise gewonnen hat (u.a. Premio Paolo Borciani, London International String Quartet Competition) und im Rahmen des stART-Programms von Bayer Kultur und als Ensemble der BBC Radio 3 New Generation Artists gefördert wurde. Berlin, Hamburg, München, Paris, Barcelona, Amsterdam, London, New York − das Signum Quartett ist regelmäßig auf den großen internationalen Podien und Festivals zu erleben. Nach umjubelten Gastspielen in Paris (Philharmonie), London (Wigmore Hall) und Amsterdam (Concertgebouw), war das renommierte Ensemble mit dem ihm gewidmeten 3. Streichquartett von Bruno Mantovani in Wien, Luxemburg und Frankfurt zu hören.
 
FLORIAN DONDERER Violine
ANNETTE WALTHER Violine
XANDI VAN DIJK Viola
THOMAS SCHMITZ Violoncello
 
Sowohl als Solist und Kammermusiker, als auch in seiner Position als Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker konzertiert Daniel Ottensamer mit namhaften Orchestern und bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten in den wichtigsten Musikzentren der Welt. Zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben wie dem „Carl Nielsen International Clarinet Competition“ in Dänemark im Jahr 2009, begleiteten seinen künstlerischen Werdegang. Zu den Höhepunkten der letzten Jahre gehören Daniel Ottensamers Auftritte als Solist unter Lorin Maazel (†), Gustavo Dudamel, Andris Nelsons, Adam Fischer und Ivor Bolton mit den Wiener Philharmonikern, dem NHK Symphony Orchestra und dem Simon Bolivar Symphony Orchestra. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen Künstler wie Daniel Barenboim, Angelika Kirchschlager, Barbara Bonney, Thomas Hampson, Juliane Banse, Bobby McFerrin, Bernarda Fink, Krassimira Stoyanova, Heinrich Schiff, Julian Rachlin, Mischa Maisky, das Hagen Quartett, das Signum Quartett, das Ensemble daniel ottensamer music (u.a. mit Noah Bendix-Balgley, Christoph Traxler, Harriet Krijgh und Stephan Koncz) u.v.m.
 
Programm
MOZART Streichquartett B-Dur KV 458 „Jagdquartett“
WIDMANN „Jagdquartett“
MOZART Klarinettenquintett A-Dur KV 581


Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2019

Nach(t)kritik 
Auch wenn Mozart beim B-Dur-Quartett KV 458 nicht daran gedacht hatte, Jagdmusik zu komponieren, erkannten Zeitgenossen wohl typische Jagdhornmotive in seiner Musik. Ein bis heute weitgehend positiv, ja idyllisch konnotiertes Genre festlich beschwingter Natur. Diese Atmosphäre deckte das Signum Quartett vor allem im Kopfsatz auf. In blühender Farbigkeit erspürten die vier Musiker den spezifischen Mozart-Klang, der sich hier galant und überaus feinsinnig modelliert von seiner unbeschwerten Seite zeigte. Das Signum Quartett versteht es, den stimmigen Kontext aus dem Detail heraus zu entwickeln. Die sorgfältige Dosierung des Vibrato brachte einen zusätzlichen Aspekt der Differenzierung ins Spiel. Das mozart‘sche Changieren in der Charakteristik, zwischen Hell und Dunkel, zwischen ausgelassener Heiterkeit und verhaltener Poesie, benötigte beim Signum Quartett keinen großen Raum, um dennoch klar in den Ausprägungen zu erscheinen.
Das wahre Gesicht der traditionellen Jagd offenbart sich erst, wenn sie von der Warte des Gejagten her betrachtet wird. Eine Hetzjagd ist nun mal ein grausamer Kampf auf Leben und Tod – zum Glück heutzutage in weiten Kreisen verpönt und hierzulande gesetzlich verboten. Bei Jörg Widmann ist gerade diese kritische Sichtweise in seinem Jagdquartett thematisiert. Auch sein Werk beginnt mit der Imitation von Hornklängen mit tradierten Jagdmotiven, in die sich aber allmählich grausame Misstöne mischen und zum makabren Spiel überleiten. Und das interpretierte das Signum Quartett in höchster Intensität und Schärfe. Nach dem empfindsamen Mozart-Quartett überraschte es nun mit schonungsloser Expressivität und Eindringlichkeit. Präzision und spieltechnische Perfektion sind für das Ensemble selbstverständlich, doch in dem Fall besonders hervorzuheben, denn Widmanns Komposition ist eine äußerst knifflige und absolut kompromisslose Angelegenheit. So konnte das Signum Quartett andererseits über die Anstrengung und kräftezerrende Anspannung die grausame Jagdszene umso glaubhafter vermitteln.
Während bei Widmann die folkloristischen Motive eine gewisse Ironie und eine Portion Sarkasmus zu erzeugen vermögen, evozieren sie bei Mozart in der Regel unbeschwerte Heiterkeit, ja vielleicht auch so etwas wie heimatliche Gefühle. In Kompositionen mit Klarinette ist diese Wirkung umso stärker, da es auch ein Instrument der Volksmusik ist. Das trug dazu bei, dass sich im Klarinettenquintett A-Dur KV 581 eine nostalgische Atmosphäre breitmachte. Für das Signum Quartett im absolut homogenen Zusammenspiel mit dem überaus einfühlsamen Klarinettisten Daniel Ottensamer stand der reine kammermusikalische Zugriff im Fokus. Dabei zeichnete sich die Mitwirkung der Klarinette vor allem mit einer spezifischen Klangfärbung aus, die im Ensemble nun wärmer und substanzfülliger austariert wurde.
Ottensamer fügte seinen Part faszinierend nahtlos und geschmeidig ein. Insbesondere im Larghetto, das in beredsamer Manier betörend schön daherkam. Bezaubernd auch der Ländler im Trio des dritten Satzes, der mit seiner vergnügten Leichtigkeit einen tiefen Eindruck hinterließ und sicher bei vielen Zuhörern zum Ohrwurm mutierte. Erst recht nach der Wiederholungszugabe. Davor aber noch ein Variationssatz, indem die fünf Musiker aus dem vollen schöpften und alle Register zwischen zarter Poesie und vitaler Eindringlichkeit zogen.