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Veranstaltungsinfo

Di, 21.03.2023
19.30 Uhr
Ausstellung | Film | Vortrag

11,00

Regulär

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Film zur Ausstellung | im Kino Breitwand: „Sahara Salaam“ von Wolf Gaudlitz

Filmemacher Wolf Gaudlitz präsentiert begleitend zur Ausstellung „Cinemas“ im Kino Breitwand Gauting sein Werk „Sahara Salaam“ (D 2014, OmU).

Zwischen Tunis und Timbuktu hat der von Abenteuerlust infizierte Wolf Gaudlitz zehn Jahre lang Geschichten gesammelt. Mit Hilfe seines mobilen Kinos (das „Wüstenkino“) bringt er Leinwand-Erzählungen ebendort hin, wo uns die Fremde vor Augen geführt wird und diese wiederum Vertrauen weckt. Damit ist Wolf Gaudlitz ein wundersames und erstaunlich weitsichtiges Bildermärchen mit kultureller Wechselwirkung und ganz ohne Grenzziehung gelungen – Prädikat „besonders wertvoll“.
Der Filmemacher wird an diesem Abend auch persönlich vor Ort sein und von seinen Erfahrungen berichten.

Wolf Gaudlitz sagt man nach, er habe in seinem Leben eigentlich „nur“ drei Mal richtig geheiratet und sich bis heute von keiner dieser Frauen getrennt. Sie heißen: Die Stadt Palermo, die Wüste Sahara, die Illusion, die er selbstsicher wie ein Traumtänzer über die Leinwand widerzuspiegeln versucht. Das macht er mit eigenen Filmen und mittels seines legendären Wüstenkinos.

Zur Ausstellung
Auf mehreren Reisen in die ostdeutschen Bundesländer, nach Kuba, Russland oder Osteuropa hat die Münchner Fotografin Margarete Freudenstadt seit 1989 eine sich im Umbruch befindende Kinolandschaft mit einem Fokus auf das „sozialistische Kino“ dokumentarisch porträtiert.

Eröffnung & Stummfilme Di 28.02.2023 | 19:00 | Eintritt frei, Anmeldung über das Theaterbüro
Diskussion Fr 10.03.2023 | 20:00 | Eintritt frei, Anmeldung über das Theaterbüro
Film im Kino Breitwand Di 21.03.2023 | 19:30 | Eintritt € 11, Anmeldung über das Kino Breitwand Gauting
Dauer der Ausstellung Bis Fr 21.04.2023 zu den Öffnungszeiten des bosco und während der Abendveranstaltungen für Gäste der entsprechenden Veranstaltung

Der Besuch unserer Ausstellungen während der Öffnungszeiten des bosco ist frei. Bitte beachten Sie bei Ihrem Besuch die momentan geltenden Corona-Hinweise.

 

Eine Kooperation von

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Nach(t)kritik
"Ein Streiter, der das Kino liebt..."
Nach(t)kritik von Christine Cless-Wesle

Eine Sternstunde des Kinos: Zur laufenden Ausstellung „Cinemas“ im bosco, präsentierte der große Filmpoet Wolf Gaudlitz im voll besetzten Saal des Gautinger Breitwand-Kinos seine 1001-Nacht- Dokumentation „Sahara Salaam.“ Mit Szenen von tanzenden Tuaregs in der Sanddüne, lachenden Mädchen, einem erzählenden Teppichhändler, nahm der anwesende Regisseur sein Publikum mit auf seine einsame Reise: Mit seinem legendären „Cinemamobile“ war der Filmer unterwegs in einem verbotenen Land. Denn bis heute habe er keine Drehgenehmigung für seine  Leinwand-Erzählung „Auf der Achse des Lächelns“ in der  Wüste zwischen Tunis und Timbuktu.

„Ein Streiter, der das Kino liebt und hochhält“, freute sich Cineast Mathias Helwig über den vollen Saal seines Breitwand-Kinos. Denn Fellini-Schauspieler Wolf Gaudlitz, bekannt als Regisseur von „Palermo flüstert“ und „Taxi Lisboa“,  ist ein Publikumsmagnet - und die perfekte Ergänzung zur noch bis 21. April laufenden Ausstellung „Cinemas“ der Münchner Fotografin Margarete Freudenstadt im bosco.

„Ich film` einfach weiter“, erzählt Wolf Gaudlitz an diesem denkwürdigen „Tag der Poesie“ zum Frühlingsanfang  im Gautinger Kino: Unbeeindruckt von der Geiselnahme, als Salafisten europäische Touristen in der algerischen Wüste 2003 verschleppt hatten, machte sich der deutsche Filmer dort auf seinen langen zehnjährigen Weg:  Nur auf sich selbst gestellt, hielt er von seinem hohen Off-Road-Wohn-Lastwagen aus mit der Kamera  auch auf Militärposten in der Zentralsahara -verbotenerweise,  ohne Drehgenehmigung.  

Spot on: Über die Großleinwand flimmert eine grandios eingefangene Szene. In einer gelungenen Einstellung zeigt Kameramann Wolf Gaudlitz wie sich eine große Plastikwasserflasche  über die Sanddüne dreht - bis ihr der Wüstenwind einen leeren Plastikbecher zum Pas de deux an die Seite treibt.

In einer Schwarz-Weiß-Einstellung mit bedrohlicher Dampflok-Großaufnahme, dokumentiert der Regisseur, wie die Menschen einst bei der Erfindung des Kinos 1895 zu Beginn des Maschinenzeitalters aus den Sälen flüchteten. Und als die Franzosen nach Kriegsende 1962 das besetzte Algerien ausgeplündert verlassen hatten,  verschwanden auch die Lichtspielhäuser, heißt`s im Film. Deshalb kam Wolf Gaudlitz mit seinem „Cinemamobil“ samt ausgerollter Leinwand zu den Menschen in der Wüste.

In einer eindrucksvollen Szene dokumentiert der einsame Reisende wie ein Berber mit seinem Kamel herbeireitet - und ihm zu Hilfe eilt.  Der Berber zieht den im Wüsten-Sand eingegrabenen schweren hohen Film-Lastwagen ohne  Anlasser mit  Gurten heraus.   

In grandiosen Momentaufnahmen zeigt Gaudlitz  auch einen fröhlichen  Frauentanz mit Brautschau: Die Großmutter dient dem deutschen Filmer „Wolf“ nach mehreren Drehs sogar ihre 16jährige Tochter als Braut an. Szenenwechsel: Eine unbekannte Berberdichterin schreibt ein Liebesgedicht „..deine weiten Arme nehmen mich in Schutz“  in den Sand. Doch der Wüsten-Wind verweht die wundervolle  Poesie aus Tausendeiner-Nacht.

Eindrucksvolle Aufnahmen von einem Buben, der lachend Heuschrecken verspeist, vom algerischen Opferlammfest präsentiert Gaudlitz. In einer  Kleinstadt, wo die Menschen  „seit 44 Jahren kein Kino gesehen haben“, rollt der Regisseur die große Leinwand seines Cinema-Mobils aus - und zeigt ihnen die tagsüber gedrehten Aufnahmen mit den dort lebenden Menschen als Darsteller.

Zwei Tage lang musste sich der Dokumentarfilmer verstecken, nachdem er ein bewaffnetes Bataillon an der Grenze zwischen Niger und Mali von seinem Mobil-Dach aus im Kasten hatte.  

„Warum mache ich das?“ fragt sich der Regisseur in seiner 2014 herausgekommenen Dokumentation „Sahara Salaam“ deshalb immer wieder, „wenn mein Puls erhöht ist“ und die Lichtreflexionen des Wüstensonnenlichts „mich in die falsche Richtung führen.“

Die phantastische Film-Erzählung mit Wüstensinfonie „ohne Förderung“, wie Gaudlitz betont, endet mit dem magischen Tanz von fünf Tuaregs im Dünen- Sand.

Und die 100 Zuschauerinnen und Zuschauer im Kinosaal applaudierten dem Regisseur begeistert.